Alte Geschichten aus der Kolonie

Richtig gelesen! Denn die Kleingartenpioniere in der Zeit nach dem 1. Weltkrieg fühlten sich als Kolonisten, wenn sie aus einer "Gstetten" mit viel Mühe und Liebe und noch mehr Improvistionskunst nach und nach Gartenparadiese schufen.

Die Zaunsteher waren meist Eisenbahnschwellen, weil viele der neuen Gärtner Eisenbahnpensionisten waren, dazwischen etwas alter Draht und Äste aus dem Prater; die Hütten aus Brettern von Zuckerkisten.

Schon Napoleon hat im Gebiet unserer Gärten gewirkt, er hat nämlich - so erzählt das Jahr für Jahr ein VHS-Professor seinen Schülern - von einem heute noch existierendem Hügel in Nr. 28 den Donauübergang der Franzosen zur Schlacht bei Wagram geleitet.

Wissen Sie übrigens, was "eine Französische" ist? Oder "eine Englische", "Deutsche", "Russische"? So hießen die verschiedenen Möglichkeiten, einen Ball zu köpfeln, praktiziert bei den heißen Köpfelmatches der Buben auf dem heutigen Waldparkplatz in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

Wer erinnert sich noch an Frau "X", die täglich zweimal ihre Ziegen durch die Gärten auf die Praterweide führte, die lieben Tiere fraßen dabei alles, was aus einem Zaun herausragte und grün war.

Wer denkt heute noch an die gewaltigen Hochwasser, bei denen man auf der Iwanwiese (heute nach Aufschüttung Teil von "Sonnenschein") so schön schwimmen konnte?!

Oder noch ein paar Jahre vorher, als 1945 der Volkssturm in den Gärten neben dem "Haidara" einen Schützengraben hatte - des hohen Grundwasserstandes wegen mit Matratzen aus den Gartenhütten ausstaffiert - diesen aber klugerweise bald wieder räumte.

Ein findiger Mensch aus den "Gemeindehäusern" organisierte sich zurückgebliebenes Barackenmaterial der Wehrmacht und schuf damit einen Garten samt sehr komfortabler Hütte ...! Das war die Zeit, wo im Frühherbst die Ernte bewacht werden mußte und dennoch hat man uns ca. 100 kg Erdäpfel in einer Nacht ausgegraben; die Zeit, wo sehr weit entfernte, lange nicht mehr gesehene Familienmitglieder sich ihrer kleingärtnerischen Verwandten erinnerten und Gemüse, Hasen und Hendeln schnorrten.

Damals heizte und kochte man noch in seiner Kleingartenhütte mit Holz aus dem Garten, dem Prater und Schwemmholz aus der Donau. Das wieder klaubten wir zwischen Schienen der Donauuferbahn, sorgfältig den zahlreichen Blindgängern ausweichend, die noch lange nach dem Krieg herumlagen.

Ein Bombenblindgänger im Sumpf des "Haidaras" wurde von uns Kindern entdeckt und unter großer Aufregung vom Entminungsdienst geborgen. Das war im Herbst bei niedrigem Grundwasser möglich, wenn sich die Fische und Frösche in die verbleibenden Tümpel zurückzogen und wir Kinder durchs Schilf streifen und große Binsenzigarren werfen konnten, tausendfach Samen verstreuend.

Abends gab es Gelsenfeuer fast in jedem Garten: kleine Laubfeuer, deren starker Rauch am Boden entlang kroch und die Gelsen verscheuchen sollte. Wenn es dunkel wurde, sah man hie und da einen ausgehöhlten mit einer Kerze beleuchteten Kürbis, und in den Hütten waren Petroleumlampen der höchste Komfort.

Eines Katers will ich gedenken, Burli beim Herrn Zach, der schön und rund und getigert da saß und keinem Vogel etwas tat und alle, die an ihm vorübergingen, höflich begrüßte.

So war es einmal. Vielleicht kramen noch einige der älteren Gärtner in ihren Erinnerungen. Sie sollten sie nicht für sich behalten, sondern sie einfach erzählen.

U. Pohl (geschrieben für die 70 Jahre Festschrift)

Gartenbewerbung

Information zur Gartenbewerbung
Leider kann unsere Vereinsverwaltung derzeit keine Bewerbungen für eine Gartenparzelle in unserer Anlage annehmen (weder per E-Mail noch handschriftlich). Wir haben bereits sehr viele Vormerkungen (mehr als Gärten) und das ergibt lange Wartezeiten! Bitte wenden Sie sich an den Zentralverband der Kleingärtner Österreichs. Hier erfahren Sie ob frei gewordene oder neu aufgeschlossene Parzellen zur Verfügung stehen! Die Homepage des Verbandes: http://www.kleingaertner.at Mit freundlichen Grüßen die Vereinsverwaltung